Praia da Pipa & Natal

20190304_161943

Nach dem “Karnevalsstress” war erst mal Erholung angesagt. Am Besten am Strand. Daher zog es uns zunächst nach Praia de Pipa, einer Kleinstadt (~7000 Einwohner) rund 200km nördlich von Recife. Pipa bzw. Tibau do Sul, besitzt eine Reihe schöner Strande, die bekannt sind für ihre Sandsteinfelsen (gute Schadenspender 🙂 ). Manche der Strände sich nur bei Ebbe betretbar wie beispielsweise der Praia do Golfinho über dem Praia Central.20190304_154625

Das Stadtzentrum ist eine Ansammlung sehr netter Restaurants und Bars sowie zahlreicher Souvenirläden und eignet sich sehr gut für einen abendlichen Spaziergang kombinierbar mit einem Abstecher zum zentralen Strand. Viele Reisende in ihren 20ern sind unterwegs und somit gibt es einen guten Backpacker-Vibe 🙂

Neben den Stränden gab es einen kleinen Aqua-Park (R$50 pro Erwachsener) nördlich von Pipa, dessen Besuch Leo und Maja lautstark einforderten. So verbrachten wir hier letztendlich den ganzen Tag und durchliefen das gesamte Repertoire an Rutschen, diversen Plantschbecken, Kinderfahrrädern, Slack Line, Billard und Schaukeln. Ratet mal wer am Abend zuerst einschlief 😉

Von Pipa nach Natal waren es nur gute 80km und wir nutzten den angefangenen Tag gleich mal für den Besuch des Aquariums (R$30 Erwachsene, R$15 Kinder ab 4). Hier gab es neben unterschiedlichen Meeresbewohnern auch viele Landtiere zu bestaunen. Es sind übrigens nicht nur brasilianische Arten vertreten, sondern auch solche anderer Kontinente. Wir verbrachten hier eine gute Stunde und bereuten es nicht.

Von unserem AirBnB Apartment ($53 pro Nacht) hatten wir vom 24.Stockwerk einen fantastischen Blick auf die Bucht von Ponta Negra.

Der Strand gehörte zu den schönsten, die wir bisher in Brasilien gesehen haben. Goldbrauner Sand, sauberes Wasser ohne Algen und tolle Wellen zum Surfen und Bodyboarden, was dann auch unser Programm des Tages war.

20190310_110255

Vor unserem Hochhaus gab es eine Ansammlung mit diversen Food Trucks mit Tischen, Stühlen und Live-Musik unter freien Himmel. Daher fiel uns die Wahl des Abendessenortes nicht schwer.

20190309_221701

Ein anschließender Spaziergang an der beleuchteten, von Restaurants und Geschäften gesäumten Promenade bei frischer Meeresluft (laut NASA Studie die zweit-reinste der Welt) bildete einen netten Tagesabschluss.

20190307_144051

Am nächsten Tag ging es zu den Dünen von Genipabu. Hier buchten wir uns nach zähem Verhandeln für R$250 eine 1,5h Buggy-Tour.

Diese führte über den Strand von Genipabu und das zugehörige Fischerdorf zu den wandernden Dünen von Genipabu. Da es sich um einen Nationalpark bzw. geschütztes Gebiet handelt wurde auch eine Eintrittsgebühr von R$10 pro Erwachsener fällig.

Unser Fahrer, Maquinho, fragte uns, ob wir die Dünen „con emocao“ oder „sin“ befahren wollen. Mit Rücksicht auf die Kinder entschieden wir uns für die sanfte Variante „sin emacao“. Nichtsdestotrotz war der Nervenkitzel groß als es Dünen mit Gefälle von über 30% hinab ging 🙂

20190309_140452

Es standen mehrere Stopps auf dem Programm: Ein Aussichtspunkt auf die Skyline Natals, eine Steilwand aus Sand, wo ein Fotograf Schnappschüsse von uns machte (nicht im Preis inkludiert), die nicht beschwimmbare Lagune Genipabu, sowie eine nachgebaute arabische Dorfsiedlung, wo es normalerweise auch echte Dromedare zu bestaunen gibt. Aufgrund des Regens waren diese an diesem Tag jedoch ausgeflogen.

Besonderen Spaß bietet zudem eine Attraktion in dem arabischen Dorf. Bei der sogenannten Skibunda (R$15) wird man auf einem Snowboard an einem Seil einen Sandhügel und endet in einem kleinem Pool. Leo konnte nicht widerstehen 🙂

Eine sehr empfehlenswerte Tour, die wir wärmstens empfehlen können, da es im Buggy einfach ein anderes Erlebnis ist als zu fuß über die Dünen zu stapfen.

20190309_131835

Zum Abschluss des Tages besuchten wir die Lagoa de Pitangui, die über einen holprigen Trampelpfad erreichbar war. Der Eintritt zur Lagune ist kostenlos und das Gelände ist sehr nett gestaltet: Zahlreiche Strandbars säumen den Strand, es gibt Tretboot- und Stand Up Paddle Verleih, einen Kinderspielplatz, ein Volleyballfeld und Hängematten in der Lagune. Insbesondere das seichte Wasser macht den Besuch mit Kindern sehr lohnenswert.

 

Olinda & Recife

DSC00516.JPG

Wir duften Olinda vor und nach der Hauptkarnevalswoche erleben und das nette Städtchen gab zwei völlig andere Bilder von sich ab. In der Vorwoche war es eine ruhige, sehr angenehme Kleinstadt, die mit idyllischen Kopfsteinpflastergassen und historischen Kirchen aufwartet und wo man gerne einen halben Tag verbringen kann.

Ein Großteil der Altstadt liegt auf einem Hügel und dieser bietet fantastische Ausblicke auf die nahegelegenen Gebäude mit ihren roten Dächern im Tal der Stadt sowie das Meer und fern am Horizont Recife.

DSC00486

Olinda bietet auch Zugängen zu diversen Stränden. Diese sind jedoch nicht der Hauptgrund fuer einen Besuch, da sie nicht gerade zu den saubersten Brasiliens gehören. Auf einem der zentralen Plätze Olindas, der Praca do Carmo, waren die Vorbereitungen fuer die anstehende Karnevalswoche schon voll im Gange. Wir waren gespannt wie es wohl dann im närrischen Treiben aussehen wird.

Nach unserem Zwischenstopp auf Noronha war es dann soweit: Wir kehrten am Faschingssamstag nach Olinda zurück. Wir parkten Oscar in einer Seitenstrasse zwischen der Shopping Mall Olindas und der Praca do Carmo ab und liefen auf den letzteren zu Fuss zu. Langsam aber stetig begegneten wir immer mehr Verkleideten und passierten witzige Stände wie beispielsweise den folgenden:

20190302_143022

Angekommen am Praca do Carmo wurden wir von Forro dröhnenden Boxen an jeder Ecke empfangen. Überall gab es Fress- und Getränkestände und das Aufkommen der Verkleideten war schon beachtlich. Einem Konzert auf einer der Nebenbühnen beizuwohnen gelang uns leider nicht, da es exklusiv für T-shirt Träger des zugehörigen Blocos (Karnevalsgruppe) vorgesehen war und wir auf einen Kauf des T-shirts verzichteten. Aber auch ohne dieses sollte es ein interessanter Tag werden.

Dann zogen wir hinauf zum Praca Joao Alfredo, wo das Treiben seinen Höhepunkt nahm. Eine überwältigende Anzahl an Besuchern sammelte sich auf diesem Platz, welche durch Zuströme anderer Gassen nie wirklich abebbte. Hier zogen zahlreiche Blocos durch und sorgten für exzellente Stimmung unter den Massen. Die tanzenden Straßenpuppen durften natürlich auch nicht fehlen 🙂

Nach 30min zogen wir uns in eine ruhigere Gasse zurück, da die Menge an Leuten im wahrsten Sinne des Wortes schon sehr erdrückend war. Hier ließen sich wunderbar andere Passanten in ihren kreativen Kostümen bestaunen.

Nach einem kurzen Abstecher in eine der wilderen Gassen, wo wir u.a. Zeugen einer Verhaftung von Straßenverkäufern wurden (KO-Tropfen Verkauf?), ging es zurück zum Praca do Carmo, wo wir zum Sonnenuntergang den Karnevalskonzerten auf der Hauptbühne lauschten.

Auf dem Heimweg gönnten wir uns noch eine der lokalen Leckereien, Macaxeira (Mannioktopf mit Fleisch- und Gemüsestücken) und erwischten unseren letzten Bloco des Tages. Jetzt wussten wir was mit Straßenkarneval wirklich gemeint ist!

Am nächsten Tag ging’s nach Recife, um hier den Karnevalssonntag zu verbringen. Wir waren ein wenig früh dran, da die Straßen gegen 12Uhr noch wie leer gefegt waren. Vermutlich mussten sich noch alle Jecken vom großen Umzug am Vortag, dem Gallo da Madrugada, erholen. Also verbrachten wir den ersten Teil des Tages in dem Paco Alfandega, wo es Konfetti, Kinderkarneval sowie schöne Ausblicke über Recife gab.

Gegen späten Nachmittag ging es dann gemächlich los und immer mehr Blocos tauchten in der Altstadt Recifes auf und sorgten für tolle Stimmung. Es waren mehrere Bühnen aufgebaut, am Marco Zero die größte, und an anderen, wie bspw. dem Praco do Arsenal, etwas kleinere. Somit verteilte sich das Geschehen sehr gut über die gesamte Altstadt und es kam am späten Nachmittag und Abend keinerzeit zu einem Gedränge wie in Olinda,

Neben den Blocos gab es auch Auftritte verschiedenerer Indianergruppen zu bestaunen. Diese trugen Bekleidungen wie wir sie bisher nur im Fernsehen vom Carnaval in Rio gesehen hatten.

Auch mehrere Musikbands traten auf und ließen die Menge zu Samba, Forro, Bossa Nova oder Axe  das Tanzbein schwingen. Einer unser Favoriten war diese Band, von der wir leider nicht den Namen in Erfahrung bringen konnten:

Fazit: Insgesamt waren wir sehr begeistert vom Karneval im Nordosten Brasiliens und wir können einen Besuch empfehlen. Wir würden jedoch den Karnevalssamstag in Recife verbringen, da das der große Umzugstag (Gallo da Madrugada) ist und scheinbar alle Tage in Olindas Straßenkarneval relativ ähnlich ablaufen. Mit dem Zuhauselassen unser Spiegelreflexkamera, dem Verstauen des Handys und Bargelds in unseren Sicherheitstaschen sowie dem Parken in bewachten Parkhäusern haben wir uns wohl gefühlt und würden dazu raten.

Fernando de Noronha

DCIM101GOPRO

Fernando de Noronha, benannt nach einem portugiesischem Kaufmann, der die Insel selbst nie besuchte (aber die Exploration sponsorte), ist nichts fuer budgetbewusste Reisende. Bei Einreise wird eine saftige Inselsteuer von ca. 18 Euro pro Person pro Tag faellig – Kinder zahlen gluecklicherweise bis zum Alter von 6 Jahren nichts. Als ob dem nicht genug waere wird noch fuer den Nationalpark, der etwas 2/3 der Insel abdeckt, ein Eintritt in Hoehe von 50 Euro (!!) pro Erwachsener faellig. Wer tauchen, zur Bahia do Sueste oder zur Bahia do Golfinhos will kommt um den Eintritt nicht herum. Zudem sind die Uebernachtungskosten mindestens doppelt so hoch wie am Festland. Wir schliefen in einer klimatisierten 30m^2 Huette ohne Internet fuer USD103/Nacht, gute 25min fusslaeufig vom Strand entfernt. Zusammen mit den Flugkosten (600 Euro) und Parkkosten am Flughafen Recife (24 Euro) waren wir fuer die 5 Inseltage eben mal 1350 Euro los – mehr als das doppelte unseres typischen 5-Tagesbugets.

20190225_123301

Wen diese nackten Zahlen nicht abschrecken den erwartet als Belohnung ein absolutes Tauchparadies und eine Vielzahl schoener Karibikstraende. Zuerst zog es uns zur Praia do Meio, der allerdings aufgrund des superstarken Wellengangs nur zum Fotografieren diente. Gleich nebenan trafen wir dann auf den Praia da Concecao, der auch nicht an kleinen Wellen geizte, aber definitv “schwimmbarer” war. Die metergrossen Wellen sorgten definitiv fuer Respekt bei uns. Leo und Irina hatten mit dem Bodyboard einen Heidenspass 🙂

20190225_123355

Mit netter Livemusik und wagemutigen Surfern mutierte die Praia da Concecao auch zu unserem Lieblingsstrand.

Die Bahia do Sueste erreichten wir mit dem halbstuendig fahrenden Pendelbus (R$5 pro Erwachsener), der die meisten Standorte auf der Insel anfaehrt. Er ist Teil des Nationalparks und ist nur ueber einen abgezaeunten Eingang zu erreichen. Der Bucht bietet einen herrlichen Anblick und Schnorcheln ist hier das grosse Ding. An unserem Besuchstag waren die Sichtverhaeltnisse allerdings sehr duerftig, so dass wir im Prinzip nichts von der Unterwasserwelt erblicken konnten.

20190226_152101

Einzig fuenf junge Babyhaie, die das Highlight unseres Besuchs darstellten, schwirrten durch das seichte Wasser und konnten auch sehr gut ohne Schnorchelausruestung verfolgt werden.

20190226_133713

Negativ auffallend war, dass es einen abgesteckten Wasserbereich gab, wo Schwimmwestenpflicht herrschte . Ein bisschen zuviel Regulierung nachdem man schon den heftigen Parkeintritt zahlen durfte. Zudem wurden alle Besucher gegen 15:30Uhr vom Strand gebeten. Auf Nachfrage wurde dies mit der Rueckkehr der Mutterhaie aus dem offenen Meer begruendet. Die Bucht dient scheinbar als Schlafplatz.

Die Baia do Golfinhos erreichten wir am naechsten Tag auch sehr gut mit dem Pendelbus. Nach einem 20min Spaziergang von der Bushaltestelle erreichten wir das Visitor Center und von da aus waren es noch 1km auf einem wohlpreparierten Steg. Leider erwischten einen schlechten Tag, da die verantwortliche Rangerin sagte, dass bisher keine Delphine gesichtet wurden. Wir lernten, dass scheinbar an 94% aller Tage Delphine gesehen werden koennen. Wir erwischten also einen 6% Tag ;( Weiter ging es am Kuestenwanderweg Richtung Praia do Sancho, der immer wieder herrliche Ausblicke auf das Meer und die Buchten bot. Angekommen am Praia do Sancho wurden wir ueberrascht – der Zugang war nur ueber zwei extremsteile Leitern moeglich. Leo und Lothar meisterten eine, aber mit Maja war es unmoeglich, da zwei Haende von Noeten waren. Beim Aufstieg gab es kurz Beschwerden, dass wir “gegen” die Richtung kletterten und uns in diesem Moment klar wurde, was mit der “Up-Down” Tabelle am Visitor Center gemeint war: Es gibt nur bestimmte Aufstiegs- und Abstiegszeiten, um Stau auf den Leitern zu vermeiden 😉

20190227_103643

Als Alternative guckten wir uns den Praia do Cacimba aus – auch sehr gut fusslaeufig in 20min vom Visitor Center erreichbar. Der Wellengang war nicht so krass wie am Concecao, dafuer war die Unterstroemung aber heftiger.

Sehr toll war uebrigens die Hilfsbereitschaft der anderen Urlauber: Wir wurden mindestens drei mal auf laengeren Heimwegen von Buggy-Fahrern (siehe folgendes Bild) ohne den Daumen rauszustrecken mitgenommen 🙂 Gutes Karma, welches wir uns in den fuenf Monaten zuvor durch Mitnahme anderer Tramper verdient hatten 🙂

20190226_085138

Der letzte Tag war dann das Highlight von Nornonha: Tauchen stand fuer Lothar auf dem Programm. Der Tauchanbieter war Atlantic Divers und mit R$665 (Barpreis) knapp guenstiger als Noronha Divers und auch der englischen Sprache maechtiger was Lothar entgegen kam.

Los ging’s um 7:15h mit Abholung vor der Unterkunft. Die Gruppe war ueberschaubar: 2 Spanier, 1 Brasilianerin und ein Deutscher. Es gab ausreichend Dive Masters (insgesamt drei) fuer uns vier und sogar eine Fotografin. Die erste Tauchstelle, ca. 30Min Bootsfahrt weg, war Pedras Seccas, eine Felsformation unter Wasser. Hier gab es Boegen, Tunnel und allerlei bunte Fische zu bestaunen. Die Sicht mit 30min war exzellent! Stroemung war vorhanden, aber moderat. Und das Wasser hatte angenehme 25 Grad 🙂 45min unter Wasser mit mindestens zwanzig verschiedenen Fischarten und herrlichen Felsformatioen – sehr empfehlenswert.

Weiter ging’s zur Tauchstelle Coribito, einem Kanal zwischen zwei Inseln. Die Stroemung war sehr stark hier, aber wechselte immerhin nie die Richtung, was den Tauchgang berechenbar machte. Diesmal gab es auch groessere Meeresbewohner zu bestauen: Erst einen schlafenden Hai, dann eine Riesenlanguste (ca. 1m) und schliesslich eine gruene Moraene. Zudem zahlreiche Fischschwaerme, wo auch dem schlechtesten GoPro Fotografen irgendwann mal ein guter Schnappschuss gelingt. Ein tolles Taucherlebnis!

DCIM101GOPRO

Fazit: Fuer Tauchfans ist Noronha ein Muss und einer der schoensten Plaetze, wo Lothar je unter Wasser war. Die Insel ist sehr teuer und kann preislich keinesfalls mit anderen Karibikparadiesen a la Puerto Rico, Roatan oder Chico Naranjo (Panama) mithalten. Wer “nur” Strandurlaub hier machen moechte, zahlt unserer Meinung zu viel im Vergleich mit dem Festland, wo es auch wundervolle Straende gibt.