Pantanal

Ähnlich wie im Amazonasgebiet hat man bei der Auswahl der Lodges wieder die Qual der Wahl, da es Unterkünfte im Pantanal in Hülle und Fülle gibt. Wir entschieden uns aufgrund der Empfehlung vom Lonely Planet und Stefan Loose für vier Tage/drei Naechte in der der Pousada Santa Clara (R$2286 für privates Familienzimmer mit Klimaanlage), an der Estrada Parque, zwischen Miranda und Corumba.

Die Anfahrt war problemlos, die letzten 22km führte eine ungeteerte Straße entlang die komplett trocken war, da diese Saison anscheinend wesentlich regenärmer als üblich ausgefallen ist. Auf dem Weg konnten wir Caimane, Wasserschweine, einen Hirsch sowie zahlreiche Vögel beobachten. Eine tolle Budgetvariante zur Tierbeobachtung für diejenigen, die nicht eine Tour buchen oder in einer Lodge bleiben.

Für den Ankunftsnachmittag war kein Programm vorgesehen, so dass wir das Territorium der Lodge ein wenig auf eigene Faust erkundtschafteten. Da die Pousada ständig Futter zur Verfügung stellte sammelten sich Papageien, Tukane, Amazonasfischer, rotköpfige Graukardinale, Kappenblauraben, Wildschweine, Gänse und sogar ein Caiman. Zudem gab es zahlreiche Kühe, Schafe und Pferde auf dem zugehörigen Bauernhof (oder Fazenda auf brasilianisch). Zudem gab es einen Fußballplatz, einen Kinderspielplatz, einen Swimming-Pool und ein Spielzimmer.

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Insgesamt ein sehr nettes Ambiente was allerdings aufgrund der üblen Moskitoplage schwer zu genießen war. In der Tat war es bisher der mit Abstand moskitoreichste Ort an dem wir je gewesen sind. Das Unangenehme daran ist, dass diese Viecher sich nie eine Pause gönnten und insbesondere tagsüber aktiver waren als nachts. Und unsere Anti-Moskitomittel halfen auch nur ganz wenig.

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Nach einem leckeren Abendessen ging es zu unser ersten Exkursion auf eine Nachtbootsfahrt auf den Rio Arbabol. Analog zum Amazonasgebiet hier gab es wieder die roten Augen der zahlreichen Caimane zu beobachten. Zudem entdeckte unser Guide Rodrigo eine Herde von Wasserschweinen, die sehr typisch für das Pantanal sind.

Am nächsten Tag marschierten wir von der Farm los ins nahegelegene Grasland und anschließend auch in dichten Wald. Die Vegetation war sehr schön anzuschauen, aber leider gab es so gut wie keine Tiere zu entdecken. Auch Rodrigos Suche nach einer Anakonde im Sumpf blieb erfolglos. Nach dem Mittagessen und der Siesta bis 15Uhr ging’s dann zum Highlight unseres Aufenthalts: Pferdereiten durch das Pantanal!

Maja bestieg mit Irina einen weißen Schimmel, Leonard bekam seinen eigenen und Lothar bekam ein braunes Pferd. Für uns alle war es das erste Mal, dass wir für mehr als 5min auf einem Pferd saßen. Leonards Pferd wurde von Rodrigo gezogen und die beiden Mädels wurden durch einen anderen Angestellten im Auge behalten.

Der Pfad führte durch hohe Graslandschaften, durch dichten Dschungel und Weidelandschaften. Unsere Pferde stoppten immer wieder um zu Essen oder ihr „Geschäft“ zu erledigen. Lothars Pferd war dabei stets das langsamste – ob das wohl am guten Essen der Pousada lag? 😉 Die Pferde verhielten sich einwandfrei und so erlebten wir einen schönen Nachmittag – auch wenn nach ca. 1,5h der Allerwerteste ganz schön anfing zu schmerzen aufgrund der ungewohnten Position 😉

Leider sahen wir ebenso hier keine Tiere und langsam beschlich uns das Gefühl, dass dies nicht allein mit Pech zu erklären war. Zumindest durften wir kurz vor Ende noch einen wunderschönen Sonnenuntergang miterleben.

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Tagsdrauf stand erneut Bootstour auf dem Rio Arbabol auf dem Programm. Diesmal bei Tageslicht. Hier konnten wir die Caimane in ihrer vollen Pracht bestaunen und es gab sie hier zuhauf! Viele ließen sich auch gar nicht durch unsere Anwesenheit abschrecken und so gelangen ein paar nette Schnappschüsse. Rodrigo erblickte kurz eine Riesenotter, jedoch kamen wir nicht in den Genuss diese zu erblicken und mussten uns mit dem Nest (welches nur ein Loch unter einem Baum war) begnügen. Lothar erblickte noch einen Brüllaffen hinter den Bäumen, was das Fotografieren schwer machte. Außer den Krokodilen gab es noch einige Vogelarten zu sehen, allerdings nichts was einen nach der Amazonastour vom Hocker riss.

Am Nachmittag stand Piranhafischen auf dem Programm. Die Angeln waren die selben wie im Amazonasgebiet: Ein Bambusstock mit einer Schnur und kräftigem Haken dran. Als Köder benutzten wir Rind- und Schweinefleisch. Die ersten Tiere, die wir damit anlockten waren allerdings die Caimane! In der Tat waren wir nach wenigen Minuten umziegelt von mehreren. Bei Leonard biss auch prompt ein Caiman an (zog aber glücklicherweise nicht), so dass Rodrigo zur Hilfe eilen musste.

Wir versuchten unser Glück zunächst vom Ufer aus und dann anschließend vom Boot, aber bis auf zwei Piranhas bei den anderen Touristen bissen wenig Fische an. Daher fuhren wir mit dem Boot an eine andere Stelle und hier fing Irina prompt einen kleinen Wels und Lothar eine gelben Piranha. Rodrigo hatte dann folgende spontane Spielidee mit den Caimanen:

Zuletzt hatte Lothar so etwas im Outback in Australien gesehen. Das Zuschlagen des Gebisses war sehr laut, so dass selbst die wenig schreckhafte Irina ein wenig überrascht wurde 🙂 Die Ausbeute war jedenfalls relativ schwach: 5 Fische in 2 Stunden. Dennoch war die Anlockung von Caimanen mit Piranhas sehr unterhaltsam.

Am letzten Tag ging es per umgebauten Lastwagen die Parque Estrada entlang. Wie man sich vorstellen kann wurden alle Tiere, die sich irgendwo in der Nähe befanden, durch die lauten Motorengeräusche erschreckt. Zudem war unser Guide Rodrigo nach wie vor nicht nuechtern, da am Abend zuvor die trinkfertige Bundespolizei als Gast auf der Matte stand und er nicht nein sagen konnte. Da Kinder und Besoffene immer die Wahrheit sagen, bekamen wir einige sehr kritische Töne über die Pousada von ihm zu hören. Insbesondere der Lastwagenausflug kam ihm (wie auch uns) sinnlos vor und er sagte, dass andere Pousadas alle einen echten (leiseren) Safarigeländewagen besäßen.

Aufgrund der (erneut) fehlenden Tiere stiegen wir herab vom Truck und marschierten durch den nahegelegenen Wald. Leider hatten wir auch hier kein Glück und wurde zudem von tausenden Moskitos attackiert. Diese Aktivität hätte man sich gut und gerne schenken können.

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Nach unser Abreise wartete auf dem Weg nach Corumba gen bolivianischer Grenze noch einige Überraschungen auf uns. Erst entdeckten wir einen Hirsch trinkend an einer der vielen Sumpfgewässer. Dann entdeckten wir zwei Jabiruas, die größten Vögel Brasiliens! Und schließlich erspähte Irina am Straßenrand eine gelb-schwarze Schlange: Eine gelbe Anakonda, die „kleine“ Schwester der grünen Anakonda, die jedoch mindestens zwei Meter lang war. Schon krass wieviele Tiere wir selbst entdeckt haben – das lässt einen schon an der Qualität unseres Guides zweifeln.

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Fazit: Wir bereuen unseren Aufenthalt in der Pousada nicht, da insbesondere das Pferdereiten und die springenden Krokodile gute Events waren und das Essen exzellent war. Allerdings würden wir empfehlen eher eine andere Lodge zu wählen oder nur gezielte Aktivitäten mit einer Touristenagentur zu buchen. Auch erschien es uns, dass man mit einem eigenem Auto sehr gut viele Tiere von den Straßen des Pantanals sehen kann.

Das Pantanal war auch der letzte Stopp auf unser Brasilienreise. Wir verbrachten hier wunderbare drei Monate und können jedem einen Besuch dieser tollen Landes wärmstens empfehlen.

Muito obrigado Brasil e Brasilieros – que belo pais e pessoas quentes!

 

 

 

 

 

Jardim & Bonito

Nach zwei Fahrtagen von Brasilia aus erreichten wir die Stadt Jardim in Matto Grosso do Sul. Wir entschieden uns in Jardim anstatt in Bonito zu bleiben, da die Naturspektakel welche wir besichtigten wollten näher an Jardim liegen als an Bonito. Außerdem sind die Unterkunftskosten in Jardim günstiger. Wir kamen übrigens in der Pousada Zamora unter. Marisa, unsere Gastgeberin, ist sehr herzlich, hat ein exzellentes interkulturelles Verständnis und entschied sich auf’s Alter eine Pousada zu eröffnen, die bei unserem Besuch erst 8 Monate alt war. Sehr empfehlenswert!

Zunächst besichtigten wir das Buraco das Araras, das ca. 30km von Jardim entfernt war. Hierbei handelt es sich um eine tiefe Schlucht, die im Laufe von Jahrhunderten durch kollabierten Sandstein entstanden ist. Am Fuße der Schlucht hat sich ein See gebildet, in dem ein Caiman-Paar (Alligatoren) beheimatet sind. Diese beiden Geschöpfe leiden scheinbar unter akutem Nahrungsmangel, da sie sogar die eigenen Kinder nach derer Geburt verspeisen – grausam!

Das Buraco das Araras befindet sich auf einem privaten Grundstück, welches seit 1996 touristisch kommerzialisiert wurde. Der clevere Besitzer ($R78 pro Erwachsener) siedelte ein Papageienpaar an, welches Nachwuchs bekam und weitere Papageien anzog. Damit entwickelte sich diese Papageienschlucht über zwei Dekaden und heute leben anscheinend um die 60 Papageienpaare hier. Tatsächlich lassen sich die bunten Geschöpfe hier wunderbar beim Sitzen und Fliegen von den zwei Aussichtsplattformen beobachten. Besonders schön anzusehen war dabei der Flug der Papageien in der Kolonne.

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Wir erfuhren übrigens, dass das Militär dabei half das Grundstück und insbesondere den Schluchtensee zu sauberen als die Designation als Naturschutzgebiet anstand. Gefunden wurden dabei 21 Leichen und mehrere Fahrzeuge – der klassischen Mafioso-Manier hatten sich also auch die Gauchos hier beholfen 😉

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Am Tag drauf ging’s zur Recanto Ecologico Rio da Prata, ca, 35km von Jardim entfernt. Wir besorgten uns vorab von einem Reisebüro in Jardim einen Voucher um an einer geführten Schnorcheltour teilnehmen zu können. Der Preis war mit R$ 256 nicht günstig, allerdings sehr sein Geld wert. Schade war nur, dass das Minimumalter bei 8 liegt und somit Leo und Maja nicht mitmachen konnten und Irina und Lothar sich abwechseln mussten und dafür sogar ein zweites Mal zur Farm kommen mussten.

Der Ausflug lief wie folgt ab: Mit einem umgebauten Pick-up Truck (Camioneta) wurde wir ca. 1,5km über die Farm zu einem Dschungelpfad geführt. Von da aus ging es rund 2km durch den Wald, wo wir Brüllaffen erblickten und nach rund 40min am Einstieg des Olho d’Agua (Name des Flusses) ankamen. Hier waren Schnorchelübungen für die Unerfahrenen angesagt, aber Irina und Lothar nutzten sofort die Gelegenheit die vielen Fische aus nächster Nähe zu begutachten.

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Ein riesiger Schwarm von Pitapurangas, Doraden und Curimbatas warteten darauf von der Go Pro erfasst zu werden und war überhaupt nicht scheu sich der Linse zu nähern! So „mutige“ Fische hatten wir zuvor noch nie gesehen – nicht einmal beim Tauchen in diversen Nationalparks auf der Welt.

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Nach den Übungen ging es zunächst flussaufwärts zur Quelle des Olho d’Agua. Dieses war mehr oder weniger ein Loch im Boden aus dem Wasser strömte – wenig spektakulär. Dann konnte man sich im Abstand von 2m zum Vordermann einfach flussabwärts treiben lassen und die Unmengen an Fischen beobachten.

Die Unterwasserwelt änderte sich immer wieder mit grasgrünen Gräsern, Bäumen und Wurzeln sowie Sand und Felsen. Die Sicht war hervorragend und bestimmt um die 20m! Die Strömung war sehr angenehm und nur leichte Korrekturen hier und da mit den Händen notwendig.

Nach ca. 1,5h gelangt man zum „Vulcano“, einer weiteren Quelle des Flusses, wo aus mehreren Löchern der Sand aufgewirbelt wird und diese dann eine kegelartige Form erlangen – daher der Name. Natürlich konnten wir es uns nicht verkneifen hinab zu tauchen und die Vulkane zu berühren 🙂

Kurz vor Schluss mündet der Olho d’Agua dann in den Rio do Prato, was sich zum einen durch eine 4-5 Grad niedrigere Temperatur und eine sofortig eintretende schlechte Sichtbarkeit von 1m bemerkbar macht. Im Anschluss gab’s noch ein leckeres, typisches brasilianisches Essen mit Produkten von der Farm.

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Fazit: Alles in allem eine sehr empfehlenswerte Tour, die man mitmachen sollte, wenn man in der Gegend ist. Definitiv einer der Highlights in Brasilien.

Brasilia

Die Strecke Belem – Brasilia war die größte auf unser Reise, die wir innerhalb drei Tagen zurückgelegt hatten. Am Morgen unseres ersten Reisetages sahen wir in den Nachrichten, dass Starkregen und Flut einen Straßenabschnitt der BR-010 zerstört hatte. Dies war genau auf unserer eigentlichen Route. Google Maps behauptete, dass die Strecke befahrbar war. Waze hingegen führte uns einen viel zu großen Bogen via Maranhao (fast schon über Sao Luis).

Somit blieb uns noch die old school Variante: Wir hielten kurz nach Belem an einer Straßenwacht/Polizeirevier und erkundeten uns nach dem Straßenzustand. Uns wurde empfohlen über die Landstraße nach Maraba zu fahren, da die Sanierungsarbeiten noch im Gange waren.

Wir folgten dem Rat und mussten leider unsere nicht-erstattungsfähige Hotelreservierung in Imperatriz (an der BR-010) verfallen lassen. Die Straßenverhältnisse waren insgesamt in Ordnung. Nur ein kleiner Abschnitt am ersten Tag von 30km war sehr löchrig. Die zwei folgenden Fahrtage waren lang, aber unspektakulär, so dass wir Brasilia nach insgesamt 27 Stunden reiner Fahrzeit erreichten – puh 🙂

Brasilia ist eine sehr junge Stadt und erinnert vom Design stark an US Großstädte, insbesondere weist sie viele Parallelen zur Washingon DC Mall auf. Sie wurde scheinbar innerhalb von drei Jahren erbaut und hat wohl auch deswegen viel Charme eingebüßt. Es ist ratsam ein Auto zu haben, da die Sehenswürdigkeiten relativ weit auseinander liegen.

Los ging unsere Besichtigung am Torre de TV, der leider wegen Wartungsarbeiten geschlossen war. Wir versuchten stattdessen am benachbarten Hotel Mercure Brasil Lider auf die Dachterrasse zu kommen, die leider wegen einer privaten Veranstaltung geschlossen war. Es sollte nicht sein mit der Vogelperspektive ;(

Als nächstes besichtigten wir das Estadio Mane Garrincha, welches extra für die WM 2014 und die Olympischen Spiele 2016 erbaut wurde. Obwohl das Stadion gut in Schuss ist, wird es leider sehr wenig genutzt: Das lokale Team Brasilia Futbol Clube spielt in Liga drei und es finden sporadisch Konzerte und Shows statt. Am Freitag konnte man den Innenraum nicht besichtigten, allerdings am Samstag morgen, so dass wir dafür am nächsten Tag wiederkamen.

Die Catedral Metropolitana bietet ein außergewöhnliches Erscheinungsbild sowohl von Innen als auch von Außen und ist wohl die modernste Kirche, die wir je gesehen hatten. Die schwebenden Engel im Hauptsaal wirken wirklich magisch. Nebenan gab es im Museum Nacional eine moderne Skulpturenausstellung eines japanischen Künstlers zu bestaunen.

Weiter ging’s zum Palacio Justicia, zum Pantheon da Patria, zum Präsidentenpalast (Besichtigung nur nach Vorabanmeldung, daher weggelassen) und schlussendlich zum Parlamentsgebäude, wo Brasiliens Legislative beheimatet ist. Hier schlüpften wir noch schnell in lange Hosen, da nur so eine Besichtigung erlaubt war. Diese fand leider auf Portugiesisch statt (keine englischen Touren am späten Nachmittag) und stellte sich als sehr langwierig heraus. Es wurde definitiv zu viel Fokus auf die Kunstwerke innerhalb des Gebäudes gelegt. Die Plenarsäle der beiden Kammern, die sich unter den Kuppeln befinden, welche von außen ein wahrer Augenfang sind, waren dahingegen sehr interessant.

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Am nächsten Tag fuhren wir noch zum digitalen Fernsehturm, rund 20km stadtauswärts. Der Zugang war sogar gratis, allerdings ist der Turm viel zu weit von Brasilia entfernt, um die Sehenswürdigkeiten gut sehen zu können. Der aufziehende Regen machte den Ausblick nicht besser ;(

Unser Fazit zu Brasilia: Kann man gut und gerne auf seiner Brasilienreise weglassen!